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Kinderwunsch

Ich hab lange überlegt ob ich dieses Posting veröffentliche, da Du das gerade jedoch liest, habe ich es wohl getan.

Etwas worüber weniger reden…

ist der Kinderwunsch. In den Trans* Communities gehen die Meinungen zum Thema eigene Kinder oft stark auseinander. Die Gründe dafür sind vielseitig. Manche wollen Später keine Kinder, weil sie der Gedanke Triggert dass sie dennoch als Mutter oder Vater eingetragen werden bei Geburt des Kindes (Artikel bei der TAZ dazu). Sprich: Ein Transmann steht, sofern er das Kind selbst bekommen hat, als Mutter in der Geburtsurkunde. Bei einer Transfrau, welche ihr Sperma konserviert hat, wird entsprechend als Vater eingetragen. Dass sich das so schnell ändert ist eher unwahrscheinlich, und genau deshalb lehnen es viele generell ab da es Ihnen nur zusätzlich zusetzen würde.

Zum anderen gibt es rechtliche Hürden, eine Leihmutterschaft ist in Deutschland nach wie vor verboten. Sollten z.b. Zwei Transfrauen zueinander finden und eine hat entsprechend Spermien konserviert bringt ihnen dies überhaupt nichts (in Deutschland). Hier bleibt dann nur die Möglichkeit der Adoption.

Vorsorgen

Der Weg um mir die Möglichkeit auf eigene Kinder zu erhalten ist in meinem Fall relativ “einfach”, Eizellen einfrieren ist ein größerer Prozess als das einfrieren von Sperma.

Diese Entscheidung sollte man nur fällen, bevor man mit der HRT (Hormone Replacement Therapy) beginnt. Denn ein teil davon ist die Behandlung mit Cyproteronacetat (ein Antiandrogen). Antiandrogene hemmen die männlichen Sexualhormone, sie reduzieren unterm Strich den Testosteronspiegel im gesamten Körper was selbst schon (in Abhängigkeit mit der Zeit) Äußerliche aber auch innerliche Veränderungen mit sich bringt. Hier sind wir an einem entscheiden Punkt: Die Hoden Funktion wird praktisch deaktiviert. Dies ist ein Prozess, welcher reversibel ist und u.a. in einigen US Bundesstaaten zur chemischen Kastration genutzt wird. Auf dem Papier kann man dies jederzeit aufheben, aber es gibt keine Garantie dass es 100%ig umkehrbar ist. Ohne Funktionierende Hoden gibt es also unterm Strich auch keine Spermien welche in einem guten Zustand sind für eine Befruchtung. Die Einnahme von Östrogen verringert zusätzlich die Qualität der Spermien. Ein erhöhter Östrogenspiegel beim Mann kann im übrigen auch so auftreten und zu Potenzproblemen führen, viele wissen leider nicht dass der männliche Körper von selbst aus schon Östrogen produziert.

Meine Entscheidung

Ich hab schon damals (mit 14/15) gesagt, dass ich irgendwann Kinder will, mit der richtigen Partnerin. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Wegen der oben genannten Punkte entschied ich mich dazu, mir die Möglichkeit auf eigene Kinder zu erhalten. Der Ablauf ist recht schnell erklärt: Zuerst wird ein Bluttest gemacht um die Werte zu prüfen, ob diese generell in einem guten Bereich sind oder sich dort schon mögliche Probleme zeigen, dabei wird auch auf HIV getestet. Wenn die Werte ok sind, bekommt man (wie man es sicherlich aus einigen Serien kennt) einen Plastikbecher und wird in einen wunderschön gestalteten Raum gebracht (Achtung Sarkasmus). Dort gibt es dann eine Anleitung was man zu tun hat.
Meist kann man am Nachmittag schon erfahren ob die abgegebene Probe genug aktive Spermien enthielt und eingefroren werden konnte. Ich hatte eine Woche später ohnehin einen Termin, weshalb ich mir den Anruf gespart habe (als die Rechnung kam war mir ohne hin klar, dass es erfolgreich war).

Es kostet

Die Kosten sind nicht überall mal eben zu finden, oft erhält man eine Info darüber erst wenn man es direkt anfragt. In meinem Fall waren es ~500€ für den Blut/HIV-Test und der Vorgang des einfrieren selbst. Dazu kommen Jährlich 300€ an Lager Kosten – solange bis ich es brauche, es vernichten lasse oder eben sterbe.
Von anderen habe ich erfahren, dass die Kosten ähnlich sind, oft abhängig von der Region in welcher man sich befindet.

Ich bezahle also jetzt schon für die Zukunft meiner eventuellen Kinder, ohne dies sicher zu wissen. Die Gewissheit, dass ich selbst Kinder in die Welt setzen könnte lässt mich Nachts aber ruhiger schlafen und macht mich glücklich, gibt mir Hoffnung für die Zukunft.

Ein Kommentar

  1. Natascha Natascha

    Das Thema Kinderwunsch ist in Deutschland leider bei vielen Konstellationen ein schwieriges und auch teures Thema. Auch das Verständnis der Gesellschaft ist teilweise sehr eingeschränkt und je offener man damit umgeht, desto mehr Gegenwind bekommt man manchmal. Ich habe das schon oft am eigenen Leib erfahren und festgestellt, das die Aufklärung zu diesem Thema einfach fehlt. Seitdem ich mehr drüber rede, verändert sich bei vielen in meinem Bekanntenkreis (Freunde haben oft eh ein anderes Verständnis), das denken über solche Themen.
    Ich finde es toll das du es dir offen halten möchtest und das du darüber redest <3

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