Wenn es doch nur so einfach wäre, aber wir sind ja in Deutschland – da sind Sachen selten einfach.
Ich versuche hier nun einmal die Schritte durchzugehen, welche notwendig sind um seinen Namen und seinen Personenstand rechtlich zu ändern. Ebenfalls versuche ich den Finanziellen und vor allem zeitlichen Aufwand mit aufzunehmen, so gut es geht.
Was man braucht: Eine Übersicht
- Transidenter-Lebenslauf
- Indikationsschreiben (kopie)
- Erweiterte-Meldebescheinigung
- Kopie der Geburtsurkunde
- Kopie vom Personalausweis
- Anschreiben
Das sind die Dinge, die man (in NRW) benötigt, bevor es überhaupt losgehen kann. Zu diesem Zeitpunkt ist schon Zeit für Therapie drauf gegangen (was am Ende stark davon abhängt, wie oft man in der Therapie war und wie viel Zeit man sich lässt, bis man den Gerichtsprozess anstößt). Zusätzlich kommt die Zeit für das verfassen des Transidenten-Lebenslaufs. In meinem Fall war das eine Seite in tabellarischer Form, ähnlich wie bei einer Bewerbung und zwei Seiten Fließtext die meine Vergangenheit seit ca. der Grundschule aufgenommen haben bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich es abgeschickt habe.
Obendrein benötigt ihr die Erweiterte Meldebescheinigung. Für mich war das ein Zeitaufwand von 15min und auch nur weil das Bürgerbüro sehr leer war, das variiert ja stark nach Zeit und Ort – kostet übrigens 10€. Die Kopie der Geburtsurkunde hat mich nichts gekostet, da ich einen Kopierer zur Verfügung hatte. Ebenso die Kopie des Indikationsschreiben, der Geburtsurkunde und dem Personalausweis. Das Anschreiben sollte bestimmte Dinge enthalten, wie z.b . Bezug auf §1 & §8 des TSG (Transsexuellengesetz) dazu gibt es diverse Vorlagen, bei Zeiten werde ich mein Anschreiben als Vorlage hier in den Beitrag einfügen.
Ich habe vorab nochmals beim Gericht angerufen, weil ich auf Nummer sicher gehen wollte welche Dokumente notwendig sind, dabei erfährt man dann auch direkt die Abteilung, welche für einen zuständig ist und kann es direkt dort hin adressieren.
Damit alles vernünftig ankommt und ich vor allem einen Nachweis darüber habe, wurde das ganze als Einschreiben mit Rückschein versandt. Zu dem Zeitpunkt war ich bei 18,10€ (für Meldebescheinigung und Versand).
Geduldig sein und warten
Das muss man viel. Am 07.09.2018 habe ich alles zur Post gebracht, am 11.09.2018 kam der Rückbrief, also ist es zumindest bei Gericht angekommen. Am 17.09.2018 erhielt ich den Brief mit der Info, dass das Gerichtsverfahren eröffnet wurde inklusive einem Termin zur Erstanhörung, diese war am 2.10.2018 beim Amtsgericht Düsseldorf (das für mich zuständige). Die reine Fahrzeit (hin&zurück) waren 1 Stunde und 20 Minuten, auch nur weil es Brückentage waren und wenig Verkehr war, zudem Morgens. Der Termin selbst waren kurze 5min Gespräch mit der Richterin, welche mich fragte ob der Antrag aus freien Stücken eingereicht wurde. Ebenfalls hatte ich die Möglichkeit Fragen zu klären. Insgesamt war ich ca. 20min im Gericht (Parken, Einlasskontrolle, Warten, Gespräch) + 2€ für das Parken.
Am 16.10.2018 erhielt ich einen weiteren Brief des Gerichts mit den beiden Gutachtern, welche für mich zuständig sind und die Gutachten anfertigen werden. Ich hatte selbst zwei Vorschläge eingereicht, jedoch wurde nur einer davon genommen.
Von einem erhielt ich am 26.10.2018 einen Brief Zwecks Terminvereinbahrung, nach kurzem E-Mail Verkehr hatte ich einen ersten Gutachter Termin: 17.01.2019. Vom Zweiten Gutachter habe ich lange nichts gehört. Einen Tag nachdem ich einen Brief an das Amtsgericht geschickt hatte (zudem Zeitpunkt kann er noch nicht dort angekommen sein), rief mich Gutachter Zwei an (11.01.2019) für einen Termin am 16.01.2019. Mir kam das ganze echt blöd vor, erst nichts zu hören und dann so plötzlich beide Termine hintereinander zu haben, naja was solls.
Die Gutachten selbst
Da war nun also der Tag des ersten Gutachten, mir wurde vor ab gesagt es dauert ca. 1,5 Stunden (wäre es weniger würde ich mich freuen, denn dann wird es auch billiger). Mein erstes Gutachtergespräch war in einer gemieteten Arztpraxis, es war niemand anders dort außer mir und der Gutachter selbst- was ein komisches Gefühl auslöstet, besonders weil man nicht weiß was am Ende jetzt der Ablauf ist.
Das zweite Gespräch wurde in der LVR Essen mit angrenzendem Gebäude zur JVA abgehalten. Das komischste hier: Sicherheitsschleusen, überall. Fangnetze in den Treppenhäusern und natürlich alles vergittert. Selbst um auf Toilette gehen zu können musste man mir aufschließen. Das Gespräch fand im Büro des Gutachters statt, entsprechend entspannter war dann wieder meine Stimmung.
Der Ablauf
Der Ablauf beider Gespräche war recht identisch. Generell will das Gericht auch nur drei Sachen wissen:
- Fühlt sich die betroffene Person dem anderen Geschlecht zugehörig?
- Besteht der Wunsch/Zwang schon seit mehr als 3 Jahren?
- Wird sich dieser Wunsch nicht mehr ändern?
Man könnte meinen, dass dies schnell beantwortet ist. In Wahrheit wird man ein wenig gelöchert, mit Fragen die starken Bezug auf das nehmen, was man im Lebenslauf geschrieben hat.
Zu Beginn werden erst einmal die “Stammdaten” aufgenommen wie Name, gewünschter Name, Aktenzeichen des Gerichts, etc..
Danach kommen dann Fragen zum Lebenslauf als solches, was man geschrieben hat und Fragen, die sich der entsprechende Gutachter stellt – dies variiert am Ende von Gutachter zu Gutachter. Dem einen war der Teil der Schulzeit, Freunde, soziales Umfeld, Beziehungen, Sexleben etc. wichtiger, der andere interessierte sich mehr für das Familienverhältnis, Karriere-Entwicklung, was als nächste Schritte geplant sind, etc.
Meine Gespräche dauerten beide ca. 1,5 Stunden, es ist seltener dass sie schneller durch sind von anderen habe ich aber auch schon deutlich längere Zeiten gehört.
Was dann passiert
Während der Gespräche haben sich die Gutachter ihre eigenen Gedanken gemacht, sich Notizen gemacht und mir diese auch gezeigt oder mich sogar gefragt, wie ich das gesagte zusammengefasst aufschreiben würde. Als nächstes werden also unabhängig von einander beide Gutachten erstellt und dem Gericht zugesandt. Ich bekomme dann entsprechend eine Durchschrift damit ich am Ende auch weiß, was eine mir komplett fremde Person dem Gericht mitteilt und auch, wie das Fazit des Gutachtens selbst ist.
Jetzt muss ich erst einmal wieder warten, laut beiden Gutachtern wollen Sie alles in den nächstens 3 Wochen fertig machen und dem Gericht zusenden (Erfahrungen anderer zeigen: Das stimmt nicht immer und dauert meist deutlich länger). Irgendwann bekomme ich dann vom Gericht Post mit einem neuen Termin, an dem ich dort erscheinen muss. Letzten Endes steht zu dem Zeitpunkt schon die Entscheidung, man hat hier aber noch die Möglichkeit einen anderen Namen festzulegen oder (wenn man das wollen würde) alles zu stoppen. Im Idealfall geht man danach mit einem Vorläufen Beschluss aus dem Gericht.
Das war es…
fast.
The Aftermath
Hat man den vorläufigen Beschluss (der endgültige kommt i.d.R. per Post) kommen so lustige Sachen wie einen neuen Perso&Führerschein beantragen, diese kosten natürlich auch wieder Geld&Zeit (Personalausweis: 28,80€ [ist man unter 25 nur 22,80€] ein neuer Führerschein kostet bei Diebstahl ~45€, ob dieser Preis auch bei einem neuen der Fall ist, werde ich dann herausfinden).
Dazu kommt eigentlich “alles” andere, Bank, Vermieter, Versicherungen, Standesamt – alles wichtige wo man eben einen Vertrag/Vereinbarung mit Namen hat.
Man möchte sich dann natürlich auch bei zukünftigen Bewerbungen Erklärungsgespräche ersparen, also wird man ehemalige Arbeitgeber kontaktieren um sich das Arbeitszeugnis erneut ausstellen zu lassen, nur mit angepassten Namen/Pronomen. Je nach alter vielleicht auch Schulen für das letzte Zeugnis, in meinem Fall die IHK für meinen Prüfungsbescheinigung und die ein oder andere Institution für Zertifikate, welche ich besitze.
Wie viel das dann kostet? Keine Ahnung, im Idealfall nichts, außer Zeit – viel Zeit. Dinge auf die ich mich etwas freue, dennoch keine Lust drauf habe. Ich werde definitiv nicht alles erneut anfordern, aber eben soweit dass ich alles relevante der letzten Jahre habe. Wie aufwendig es sein wird/war kommt dann in einem späteren Post.
Der “Sinn” von Gutachten
So wirklich gibt es dahinter, aus meiner und der Sicht vieler anderer, keinen Sinn. Der Gutachter entscheidet am Ende anhand von dem was ich sage&schreibe, der Hauptgrund ist nur um sicher zu gehen, dass an dem Wunsch hinter der Änderung nicht vielleicht eine andere Krankheit wie z.b. Schizophrenie liegt. Unterm Strich versucht der Gutachter nur herauszubekommen, ob es erhebliche Zweifel an allem gibt (Spoiler: in 99% der Fälle ist das nicht der Fall).
Die Kosten
Wie viel es mich am Ende kostet kann ich noch nicht sagen, allerdings kann ich das was ich bisher weiß zusammen zählen.
Alleine mit den bisherigen Kosten bin ich bei ca 45€ (Meldebescheinigung, Porto, Park und Spritkosten). Darauf kommen dann mindestens der neue Führerschein+Perso, also knapp 75€. Achja, dann noch die Gutachter/Gerichtskosten (von Erfahrungen anderer weiß ich, dass diese zwischen 500-800€ liegen [je Gutachten]). Jap, die muss ich auch selbst zahlen. Wie viel es am Ende genau wird erfahre ich dann sobald alles durch ist und ich Post vom Gericht bekommen.
Sobald es weiter geht…
Schreibe ich einen neuen Beitrag, mit einem Statusupdate. Vielleicht aktualisiere ich auch diesen hier, damit alle Erfahrungen zusammen mal niedergeschrieben sind.
Ein Blick über den Tellerrand
Wie sieht es woanders aus? Zum Beispiel in meinem liebsten Reiseland Schottland? Hier füllt man eine Eidesstattliche-Versicherung aus, zahlt 10£ (11,30€) und reicht diese bei Gericht ein. Das war es.
In Holland holt man sich eine Art “Gutachten”, außer ein paar anderen Voraussetzungen war es das. Die Kosten schwanken nach Recherche zwischen 30-120€ und die Dauer ist zwischen 10-45min (nach Erfahrungen von anderen).