Selbstbeherrschung war und ist teilweise immer noch ein Problem für mich.
In der Grundschule kam es öfters vor dass ich aggressiv wurde, manchmal aus total banalen Gründen oft auch weil jemand anders oder aber ich selbst unfair Anderen gegenüber behandelt wurde (nach meiner Auffassung).
Das hat sich in soweit geäußert dass ich Gegenstände gezielt auf andere durch die Klasse geworfen habe, ja teilweise sogar auf andere los bin. Zweimal bin ich aus der Schule abgehauen. Ich habe meine Sachen eingepackt und bin im “richtigen” Moment einfach raus. Als ich Zuhause ankam war mein Vater sichtlich irritiert und geschockt als ich ihm Tränen überströmt erzählt habe was vorgefallen ist. Hätte ich damals nicht eine so verständnisvolle Klassenlehrerin gehabt die gesehen hat dass andere gezielt mein relativ zerbrechliches Nervenkostüm regelrecht missbraucht und beeinflusst haben, nur damit ein paar Minuten Unterricht dabei drauf gehen; tja dann wäre ich wohl heute nicht da wo ich bin, vielleicht auch gar nicht mehr hier.
Das Leben verfolgt einen
Wortwörtlich.
Ich hatte die Hoffnung, dass sich dieses Problem von selbst behebt sobald es in die weiterführende Schule geht, blöd nur dass jemand aus meiner Grundschulklasse in die selbe Klasse kam. Nach kurzer Zeit wussten davon auch schon einige, ohnehin war jeder Scheiße zu jedem weil man sich noch nicht wirklich kannte.
Teilweise fühlte ich mich in der 5ten im Stich gelassen, von den Lehrern, von Leuten bei denen ich dachte neue Freundschaften gefunden zu haben. Der laute Knall bahnte sich langsam an, als ich wegen eines Zwischenfalls regelrecht durchgedreht bin. Angeblich habe ich von einem Mitschüler (genau dieser, welcher mit mir in der Grundschule war) ein Brot geklaut. EIN BROT! Dies führte zu einer sehr einseitigen Diskussion in der fast die gesamte Klasse verbal auf mich los ging, bis ich jeden Angeschrien habe, inklusive der Lehrerin die in diesem Moment nichts weiter war als eine Person die unfähig ist ihren Job zu machen. Als sie alle Bat ihre Sachen zu packen und sagte “wir wechseln den Raum” dachte ich es wäre vorbei und der Tag geht halbwegs normal weiter. Alle waren raus, nur mich bat sie noch einen Moment drin zu bleiben – dann schloss sie die Tür ab, von außen. Ich im Klassenraum. Der Moment war für mich wie ein Black Out. Ich hab Stühle, Tische und Regale umgeworfen und wollte weg. Ich hab geschrieen, gegen die Tür geschlagen doch es passierte nichts.
Das Ende vom Lied: Ich bin aus dem Fenster rausgesprungen, inklusive meiner Sachen und habe versucht die Klasse ausfindig zu machen – mit Erfolg und entsprechend meine Lehrerin angeschrien und vom feinsten beleidigt, mit Wörtern wofür ich mich heute schäme.
Klassenkonferenz
Wegen dem Vorfall im Unterricht? Nein. Jedoch war der Grund für die Klassenkonferenz nicht viel später.
Es lag Schnee auf dem Schulhof, jeder hat das gemacht was verboten war: Schneebälle [werfen]. Einer traf einen Aufsichtslehrer am Kopf, wer stand in dem Moment in einer ungünstigen Position? Richtig: Ich.
Als der Lehrer fragte wer es war, wurde ich entsprechend zum Sündenbock deklariert weil niemand in der 5ten Klasse den Mut gehabt das zuzugeben. Als er sich umdrehte zu anderen und die fragte ob die das gesehen haben bekam er einen zweiten an den Kopf.
Und was war? Er wollte mich packen und zum Rektor schleifen, ich war es aber nicht und fand das in dem Moment als Unfair mir gegenüber, er wollte das jedoch nicht einsehen – Am Ende stand ich da Fassungslos auf dem Schulhof, um mich herum entsetze und jubelnde Mitschüler: Ich hab einen Lehrer so hart vor die Beine getreten und anschließend Schnee ins Gesicht gedrückt, dass er nicht mehr aufstehen konnte und am Boden lag.
Das alles wollte ich nie, Ich hasse mich heute dafür selbst dass ich so war, so ausrasten konnte dass ich regelrecht zum Tier wurde. Aber noch mehr die Personen die mich damals in die Scheiße geritten haben – falls das einer von diesen lesen sollte/sich angesprochen fühlt: Fickt euch!
Die Klassenkonferenz mit Klassenwechsel war meine Rettung ansonsten wäre ich auf einer anderen Schule gelandet. Die Bedingung damals war jedoch, eine Therapie – welche mir geholfen hat mich besser zu beherrschen.
Hier und jetzt
Seit damals gab es kaum nennenswerte Zwischenfälle, schlicht weg weil ich angefangen habe das meiste in mich rein zu fressen. Teilweise zu verarbeiten, mit anderen drüber reden und dennoch fühle ich mich oft hilflos und im Stich gelassen. Dass ich das nicht bin weiß ich, irgendwie. Das signalisieren mir Leute aber es fällt mir schwer das anzunehmen und wahrhaben zu wollen. Noch heute habe ich Momente wo ich nicht mehr weiter weiß und alles um mich herum einreiße. Die Ausmaße sind jedoch weniger “gefährlich” und destruktiv als damals.
Mittlerweile ist es eher eine Kompensation, Ordnung schaffen im Leben, ein eigenes Wachrütteln. Es tut mir sehr leid wenn ich anderen damit Sorge bereite oder sie verletze (auf Gefühlsebene). Jedoch kann ich einige Dinge oder zu vieles auf einmal mit fast 25 Jahren immer noch nicht richtig abarbeiten.
Das tut weh zu lesen, was dir geschehen ist, aber es ist nicht deine Schuld. Kinder können grausam sein und zerbrechliche Seelen zerstören. Ich bin froh, dass du es bis hier hin überstanden hast und hoffe, dass dieser gnadenlos ehrliche Text dir hilft, ein Stück von diesem riesigen Brocken zu verarbeiten.