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I’m still here – Ihr fragt, ich antworte

Vor einigen Tagen rief ich auf Instagram dazu auf, mir fragen zu stellen die man immer schon mal eine Person mit trans Hintergrund stellen wollte, sich aber vielleicht nicht getraut hat.

Eines Vorweg: Meine Antworten hier sind meine, so wie ich es selbst erlebe. Teilweise hole ich dabei auch etwas aus durch Erfahrungen die andere mit mir geteilt haben und hier ggf. relevant sind.

Um das alles zu vereinfachen, habe ich es entsprechend gegliedert in grobe Oberbegriffe, mit einem Klick drauf kommt ihr direkt zu den entsprechenden Abschnitten. Einige Fragen habe ich an die Begriffe angepasst oder auch verständlicher formuliert, da teilweise nur einzelne Begriffe gefragt wurden ohne konkrete Fragestellung dahinter.
Zusätzlich habe ich mir die Mühe gemacht, einige Begriffe mit den entsprechenden Glossar-Seiten vom Queer-Lexikon zu verknüpfen, damit ihr diese nachschlagen könnt.

Grundsätzliches

In einigen Fragen fiel öfter der Begriff „Umwandlung“ – z.B. in Hinsicht auf die OP. Dies ist jedoch der falsche Begriff. Es heißt nicht Geschlechtsumwandlung sondern Geschlechtsangleichung.

Es wird nichts „umgewandelt“. Eine trans Person gleicht bei der gesamten Transition mittels Hormonen & OP das äußerliche der empfunden Geschlechtsidentität an.

Rechtliches und Krankenkasse

Kann man den Personalausweis ändern lassen?

Ja! Sobald man die Namens- und Personenstandsänderung durchlaufen hat ist dies sogar notwendig.
Wer dazu mehr erfahren möchte, kann sich meine Beiträge zur Namensänderung durchlesen.

Zahlt die Krankenkasse das?

Bedingt. Die Krankenkasse als solches übernimmt natürlich die gängigen Kosten von Arztbesuchen und co.
Gerichtskosten muss man natürlich selber tragen. Die Hormonpräparate werden im Zuge der Behandlung anteilig übernommen, die Zuzahlung ist aber auch hier nötig. Die Kosten der Geschlechtsangleichenden OP (GaOP) werden übernommen, jedoch muss man dafür viel Arbeit leisten um die Kostenübernahme zu bekommen. Die Kosten für die Operationen können stark variieren, von 4.000€ bis 70.000€ (abhängig von Klinik&Umfang, die Eingriffe bei trans Männern sind in der Regel teurer, alleine weil es dort mehrere notwendige Operationen gibt).

Erhält man Unterstützung von der Krankenkasse?

Jain. Es ist eher die Frage wie viele Hürden man durch die Krankenkasse hat. Ich hatte mit meiner glücklicherweise keine Probleme bei meinen eingereichten Unterlagen oder Anträgen, von Anderen weiß ich aber dass das eher die Ausnahme ist und man, besonders bei den größeren Kassen, viel Kämpfen muss und mit sehr veralteten Auffassungen konfrontiert sowie hingehalten wird, was teilweise schon als Gatekeeping gelten könnte.

Hürden

Welche generellen und Gesellschaftlichen Hürden gibt es?

Viele. Es beginnt schon im engsten Umfeld beim Outing, manchen kann der Schritt unverständlich erscheinen und es fehlt die Akzeptanz. Das führt dazu dass man sich als trans Person, besonders zum Beginn der Transition und bei fehlendem Passing, oft selbst erklären und rechtfertigen muss, wieso man so ist wie man ist.

Fehlt es an Akzeptanz?

Ebenfalls bekommt man oft Abneigung (bis hin zu Hass) zu spüren, wenn man sich offen als trans präsentiert. Oft ist die Grundlage dafür Unwissenheit und fehlende Berührungspunkte. Der Mensch neigt immerhin dazu, sich nur mit Dingen auseinander zu setzen mit denen man auch zu tun hat. Bei einigen kommt man mit sachlichen Gesprächen weiter, jedoch nicht bei allen. Zudem wird es immer öfter als „Trenderscheinung“ abgestempelt, das ist mehr als absurd. Natürlich gibt es immer mehr Personen welche den Schritt wagen ihre Transition zu beginnen und dies auch offen zu zeigen, das hat allerdings nichts mit einem Trend zu tun. Lediglich die Tatsache dass man dies nun sicherer machen kann als vor 10, 15 Jahren führt dazu, dass es als mehr wahrgenommen wird.

Name und Identität

Wie willst Du genannt werden?

Hm.. schwer. Vermutlich wie jeder andere: Mit meinem Namen? Dafür ist er ja da?

Wie kamst Du auf deinen [neuen] Namen?

Fast schon einfach und faul: Ich habe die weibliche Version meines alten Zweitnamen genommen. Zum einen weil ich den Namen Alexandra sehr mag und auch weil ich meinen Eltern so ein Stück von früher da gelassen habe, zumindest empfinde ich das so. Meinen jetzigen Zweitnamen hatte ich länger im Kopf – zudem stellte sich heraus, dass meine Mutter mich so genannt hätte, wäre ich damals als Mädchen zur Welt gekommen (das wusste ich vorher nicht und hat mir ein paar Tränen gezaubert).

War es schwer für die anderen?

Nicht generell, viele in meinem Freundeskreis sind aufgeschlossen. Für die war es entsprechend keine große Sache (natürlich rutschte dem ein oder anderen mal der alte Name raus). Ein paar konnten sich damit jedoch nicht „anfreunden“ und haben dies ganz offen gezeigt und mich beim alten Namen genannt. Entsprechend endete dort dann auch die vermeintliche Freundschaft.

Wie identifizierst Du dich? Als Frau, trans Frau? Sollte es da keine Differenzierung geben?

Ich würde sagen beides. Ich identifiziere mich als Frau, bin aber ebenso eine trans Frau und zeige das auch offen. Jedoch binde ich das niemanden direkt auf die Nase, mache aber auch kein Geheimnis drumherum. Ich persönlich finde Differenzierungen gut, weil es dadurch zu Vielfalt kommt und uns das auch ausmacht: Jeder ist unterschiedlich. In wie weit man das für sich selbst möchte bleibt am Ende jeden selbst überlassen.

Diverses

Woher kommt der Begriff „clocken“?

Das Wort selbst kann man als „bemerken“ oder „realisieren“ übersetzen. Geclockt zu werden bedeutet, dass eine außenstehende und fremde Person feststellt, dass man trans ist ohne dies kommuniziert zu haben. Das passiert besonders zu Beginn der Transition öfter, wenn das Passing noch nicht komplett „da“ ist. Teilweise passiert dies auch bei Personen die Stealth leben, hier kann diese Situation eine starke psychologische Belastung für die Person selbst sein.

Wie spreche ich jemanden an, wenn ich mir unsicher mit dem Geschlecht bin?

In solchen Fällen sollte man nicht Fragen „Hey bist Du eigentlich ein Mann oder eine Frau?“. Versetzt euch selbst in die Lage, würde euch das nicht verunsichern oder vielleicht sogar verletzen? Das einfachste ist die Frage nach der Ansprache bzw. den Pronomen. „Hey, wie möchtest Du eigentlich angesprochen werden?“ bietet eine neutrale Basis.

Darf man trans Personen Fragen stellen, oder sollte man Sie zurückhalten?

Grundsätzlich: Stellt euch die Frage, welche Fragen euch unangenehm wären. Bietet die Person (so wie ich in diesem Beitrag) es an, offen einfach alles zu Fragen ist es okay. Ansonsten bekundet euer Interesse mehr zu erfahren und steckt vorher einen Rahmen ab. Nicht jede Person möchte mit Fragen gelöchert werden.

Stört es dich, dass Enbys (nichtbinär) sich als trans bezeichnen ohne eine Transition zu machen?

Nein, mich stört es nicht. Nicht binäre Personen zählen für mich genauso zum gesamten trans Spektrum, da Sie sich ebenfalls nicht mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren können. Das mögen andere anders sehen, allerdings sammelt der Begriff „Trans“ als Überbegriff ganzen Haufen an Identitäten.

Ein hervorragendes Beispiel was jeder verstehen sollte sind Äpfel. Das Wort “Apfel” ist nichts weiter als ein Oberbegriff für einen Haufen an verschiedenen Sorten. Nach Schätzungen gibt es weltweit über 30.000 Apfelsorten, alle sind ein bisschen anders aber dennoch sind sie alle Äpfel.

Wie war der Support in deinem Umfeld?

Groß! Manchmal hatte ich sogar das Gefühl, einige wären begeistert von meinem Coming Out. Ich wurde überschüttet mit Angeboten von „Wenn Du wen zum reden brauchst, ich bin hier!“ bis hin zu „Wenn Du Make-Up oder Stilberatung brauchst gib Bescheid.“

Wie war der Support von Ärzten?

Als ich mich meinem Hausarzt anvertraut habe sicherte er mir zumindest zu, so gut zu helfen wie es geht (in seinem fachlichen Rahmen). Ansonsten ist aber eher das, was im Rahmen einer normalen Behandlung üblich ist.

Ist es schwer, Ärzte zur Behandlung zu finden?

Durchaus. Die Dichte an Experten hinsichtlich Endokrinologie aber auch Psychotherapie ist eher gering. Daher sind lange Strecken für eine passende Behandlung und Beratung relativ normal, zumindest in meinem Umfeld. Ebenfalls ist es schwer jemand passendes z.B. für die dauerhafte Haarentfernung zu finden weshalb ich in Zukunft dafür regelmäßig von Dortmund nach Solingen pendeln werde.

Coming Out

Das Coming Out selbst ist ein Prozess, welcher genaugenommen zweigeteilt ist: inneres und äußeres Coming Out. Beim inneren Coming Out wird man sich selbst seiner Identität bewusst und setzt sich damit auseinander. Im äußeren Coming Out teilt man dies seinem Umfeld mit und das kann durchaus ein lebenslanger Prozess sein, da man immer wieder in neue soziale Kreise kommt.

Inneres Coming Out

Wie/Wann hast Du gemerkt, dass Du trans bist?

So wirklich gemerkt habe ich es in einer für mich recht dunklen Phase. Ich war überarbeitet, hatte plötzlich einen langen Urlaub und war nur mit mir selbst beschäftigt. In dieser zeit merkte ich von Tag zu Tag dass mich mein Leben nicht erfüllt und alles falsch wirkte. Ich habe angefangen an mir zu zweifeln, an meinen Handlungen, Entscheidungen und meinen Gedanken. Ich hatte schon viele Jahre vorher (zu Beginn der Pubertät) das Gefühl „Ey… das ist doch alles falsch?”. Ich habe es dann immer wieder abgestempelt als eine Phase, denn das lernt man ja in der Schule: der Körper verändert sich und es kann sich merkwürdig anfühlen.

Ich fing an mich zu informieren was es für Gründe haben kann wieso es sich so falsch anfühlt und habe mich immer mehr mit dem Thema Transidentität auseinandergesetzt und mich in sehr vielen Punkten und Verhaltensmustern wieder erkannt. Als eine Freundin dann fragte „Würdest Du einen Knopf drücken der dich sofort in eine Frau verwandelt ohne einen Weg zurück?” kam meine Antwort vom tiefsten in meinem Herzen und das blitzschnell: JA.

Das war so der entscheidende Moment für mich mit 24, Ende 2017.

Gibt es für dich stereotypisches denken? Hat sich was verändert?

Ein ganz klares Vielleicht. Einige Studien belegen zumindest, dass trans Personen ähnliche bis gleiche Hirnaktivitäten vorweisen wie Vergleichsgruppen mit cis Personen [Nachweis 1 | Nachweis 2]. Ein eindeutiges Zeichen ist das jedoch nicht. Ebenfalls sollte dies nie als Grundlage für eine Diagnose dienen.
Was ich mich selbst aber immer wieder feststellen konnte: Ich habe nie so gedacht wie die männlichen Kontakte in meinem Umfeld. Besonders fiel mir dies bei meinem Hobby (der Fotografie) auf. Fotografen tendieren eher dazu, alles technisch perfekt zu verstehen, erklären und umsetzen zu wollen. Fotografinnen neigen dann doch eher dazu das kreative voll auszuschöpfen und achten dabei weniger auf die technischen Aspekte. Das war einer von vielen Punkten, welcher mich teilweise bestärkte denn bei sowas dachte ich dann doch eher wie die Mehrheit der Fotografinnen. Das ist jedoch nur ein recht subjektiver Eindruck von mir.

Musst Du umdenken durch eine stereotypische Erziehung?

Für mich persönlich gab es keine stereotypische Erziehung. Ich hatte den Vorteil mit einer nur zwei Jahre jüngeren Schwester groß zu werden und auch mit ihr zu spielen. Daher war das für mich nie ein Thema.

Jedoch hat eine Freundin letztens etwas passendes erwähnt: Ihr Sohn mag aktuell die Farbe Pink sehr und Sie versucht ihm auch so gut es geht damit glücklich zu machen. So einfach ist es dann nur leider oft nicht, da man zB. Kleidung in Pink für Kinder eigentlich nur in der Mädchen Abteilung findet und es dann oft schwer ist mit den Größen, weshalb man dann vielleicht doch wieder zum klassischen blau greifen muss und so vielleicht sogar ungewollt die immer noch herrschenden Genderklischees erfüllt.

Äußeres Coming Out

Wie sollte man bei sowas richtig reagieren?

Mit Akzeptanz. Wenn sich ein:e Freund:in outet akzeptiert dies. Zeigt dass das nichts an der Freundschaft ändert. Bietet Hilfe an, selbst wenn es nur das zuhören ist.

Wie war die Reaktion anderer auf dein Coming Out?

Im großen&ganzen positiv. Ich habe viel Support erhalten, einige haben sich sogar für mich gefreut dass ich zu mir gefunden habe. Andere sagten mir, dass Sie schon lange glaubten ich wäre im falschen Körper. Es führte Allerdings auch zu Verwirrung, primär weil man der erste Kontakt zu dieser Thematik war. Wie vermutlich die meisten habe ich aber auch Ablehnung von einigen erfahren und musste mir Dinge anhören wie „Das ist unlogisch“, „Du bist ein Mann und wirst immer einer bleiben!“. Glücklicherweise fiel es mir nicht sonderlich schwer, mich von diesen Personen dann zu trennen.

Wie war es für Dich, an die Öffentlichkeit zu gehen?

Schwer, beängstigend. Ich hatte große Panik davor von allen verstoßen zu werden und alleine da zu stehen. Glücklicherweise kam es anders und ich hatte so viele hinter mir stehen wie vermutlich noch nie zuvor in meinem Leben.

Wie fühlst Du dich, seitdem Du offen kommuniziert hast trans zu sein?

Ehrlicherweise gut. Es war ein schwerer Weg aber manchmal bekomme ich positives Feedback, dass ich anderen sogar damit geholfen habe und Sie inspiriere. Das hilft und bestärkt mich in soweit, dass ich scheinbar das richtige mache.

Wann war Dein Outing und wie war es für Dich?

Ich habe es erst in kleinen Schritten gemacht. Zu Beginn habe ich mich bei meinen damals engsten Personen geoutet, Ende 2017/Anfang 2018. Meinen Eltern erzählte ich davon, nachdem ich einen Therapeuten aufsuchte, ca. im Februar 2018. Nach und nach erzählte ich es dann auch anderen Freundin, ende März 2018 machte ich es dann öffentlich auf Facebook & Instagram.

Wie war der erste Schritt zum Therapeut?

Schwer und überlagert von Angst und Nervosität. Ich versuchte bereits beim ersten Termin so weiblich wie möglich zu wirken mit Perücke, Make-Up und co.. Scheinbar half das ein wenig beim Therapeut selbst, sich ein Bild zu machen. Zum damaligen Zeitpunkt fühlte ich mich so allerdings alles andere als wohl.

Körperliches und Hormonersatz Therapie (HRT/HET)

Hast Du durch Hormone körperliche Probleme/Symptome

Akute Probleme habe ich nicht. Dennoch spüre ich die positiven Änderungen hinsichtlich Fettverteilung und anderem. Allerdings erhöhe ich mein Risiko für Osteoporose & Thrombose durch die eingenommen Präparate. Gefühlt bin ich auch etwas Empfindlicher hinsichtlich Gefühle geworden, was man als Symptom werten könnte. Ebenfalls habe ich durch die Einnahme der Testosteronblocker meine Libido nahezu komplett verloren, was zeitweise richtig frustrierend ist.

Muss man viele Medikamente während des ganzen Prozesses nehmen?
Wie lange dauert der Prozess der Transition?

Der Prozess als solches ist mehr oder weniger das restliche Leben. Es besteht natürlich kein Zwang Hormonpräparate zu nehmen, jedoch wird es ohne eine HET relativ schwer weitere Schritte wie z.B. die Namenänderung oder Operationen zu bekommen, zumindest in Deutschland.

Verändert sich der Körpergeruch durch die Hormone?

Dies ist scheinbar sehr unterschiedlich. Einige berichten von keiner nennenswerten Änderung, andere wiederrum schon. Ich für meinen Teil kann sagen, dass sich mein Körpergeruch definitiv geändert hat. Zugegeben super “streng” war er vorher schon nicht, aber mittlerweile ist er fasst schon süßlich.

Wie sieht es aus mit Menstruation?

Da mir aus biologischer Sicht die Organe schlichtweg fehlen, menstruiere ich nicht. Jedoch habe ich über die letzten Monate einen Zyklus entwickelt (mal stärker mal schwächer) mit entsprechenden PMS Symptomen. Nach meiner Recherche und Austausch mit anderen bin ich da auch nicht alleine, jedoch erlebt das wohl nur ein kleiner Teil der trans Frauen.

Funktioniert „unten“ noch alles oder verhindern die Hormone das?

Technisch funktioniert es noch teilweise. Durch die Testosteronblocker bleiben Erektionen jedoch aus, welche Nachts durchaus normal wären. Dies resultiert darin, dass Erektionen (wenn Sie vorkommen) oft mit Schmerzen verbunden sind, da unter anderem die Schwellkörper es nicht mehr gewohnt sind sich mit Blut in der Menge zu füllen. Vergleichbar mit einem Muskelkater.

Sind deine Brüste identisch mit denen einer Cis-Frau? Sind Milchdrüsen vorhanden oder ist es nur mehr an Volumen geworden?

Kurz gesagt: Ja Sie sind identisch. Durch die Hormoneinnahme habe ich im Grunde eine zweite Pubertät in meinem Körper gestartet. Bis zu einem gewissen Stadium (ca. achte bis zehnte Schwangerschaftswoche) sind Embryos gleich und hier wird es interessant: die Veranlagung für Milchdrüsen und auch der Brustwarzen ist hier schon gegeben – deshalb haben auch Männer Brustwarzen und Milchdrüsen (wenn auch deutlich weniger als eine Frau) und können ebenfalls an Brustkrebs erkranken. Durch diese zweite Pubertät und dem Estrogen Schub bildet sich am Ende nicht nur die Brust aus, sondern auch die Milchdrüsen. Mit der richtigen Medikation ist eine Milchproduktion zum stillen sogar möglich (Artikel dazu).

Lässt Du deine Brüste operieren oder bist Du soweit zufrieden?

Tatsächlich bin ich mit der Größe selbst zufrieden, jedoch nicht unbedingt mit der Form weshalb ich darüber immer öfter nachdenken. Allerdings ist meine Angst vor Problemen groß, da ich seit einer Brust-Op vor 8 Jahren teilweise kein Gefühl mehr in meiner rechten Brust habe.

Dysphorie

Wie ist das Verhältnis zu deinem Geschlechtsteil?

Ich würde sagen neutral. Es ist halt da, so wie es ist. Es gibt Momente wo es mich definitiv nervt.

Empfindest Du Abneigung zu deinem Geschlechtsteil?

Relativ selten. Es stört mich eher generell bei Kleidung, einfach weil es auf Dauer schmerzhaft ist alles zu verstecken, aber es ist nicht so wie bei anderen, die es sich am liebsten sofort abhacken würden. Dennoch freue ich mich auf die OP.

Kannst Du abschalten/dich fallen lassen wenn Du sexuell über dein Genital befriedigst wirst, obwohl Du dich damit nicht identifizierst?

Das kommt stark auf mein Gegenüber an und auch wie die Person damit umgeht und es anstellt. Damit ich mich darauf einlassen kann muss ich ein hohes Vertrauen bzw. Sicherheit spüren. Für andere ist das definitiv keine Option, andere wiederum handhaben das genauso wie vorher. Da gibt es wie bei allem anderen keine allgemeine Antwort.

Geschlechtsangleichende OP

Welche Ängste/Sorgen hast Du im Hinblick auf die Angleichende OP?

Viele, sehr viele. Das fängt schon damit an, dass ich eine tiefe Abneigung gegenüber Krankenhäusern habe und mich damit „freiwillig“ in eins verfrachte. Noch größer ist allerdings die Angst vor Komplikationen, zum Beispiel Probleme durch die Narkose, Wundheilstörungen, Entzündungen, Verletzungen anderer Organe (Darm & co.) und der damit verbunden Folgen/Risiken. Dazu kommt die Panik dass das Ergebnis in Optik oder Funktion nicht die Erwartungen erfüllt oder im schlimmsten Fall noch schlimmer ist als vorher (für die Psyche). Ebenfalls habe ich die Sorge, nie wieder einen Orgasmus erleben zu können, dass ich nicht genug Zeit oder Motivation für die gesamte Pflege danach habe und ich dadurch alles zunichte mache.

Wie lange dauert die OP?

In der Regel dauert die erste OP zwischen 3 und 6 Stunden. Damit verbunden ist ein Krankenhaus Aufenthalt von 10-14 Tagen (im Durchschnitt, bei Komplikationen auch mal länger). Danach fällt man zudem einige Wochen (4-6) arbeitstechnisch aus. Das kann zudem nach Job variieren abhängig von der körperlichen Belastung im Job.
Eine zweite OP zur Korrektur wird nach ca. 3 Monaten angesetzt.

Abschluss

An dieser Stelle ein großes Dankeschön an alle die offen und frei heraus gefragt haben, ich hoffe damit erstmal alles beantwortet zu haben. Gegebenenfalls ergeben sich daraus neue Fragen, welche ich gerne beantworte.

Anbei noch ein Link mit einer Übersicht, was sich alles in der zweiten Pubertät durch Hormone ändern kann. Einiges davon ist nicht ganz ernst gemeint. Zum Beispiel „Strength diminishes significantly, become unable to open jars.“ – wobei das auch ein wenig stimmt.

xoxo
Alexandra

3 Kommentare

  1. Lisa Lisa

    Tausend Dank! <3
    Ich hab soviel dazu gelernt.

  2. Jana Jana

    Danke für deine Offenheit. Finde das Thema sehr interessant und lese gerne von dir.

  3. Barbara Barbara

    Ich bedanke mich auch für deine Offenheit, richtig stark! Fand es auch sehr interessant, mal mehr aus einer ganz persönliche Sichtweise zu lernen und zu erfahren. 🙂
    <3

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