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Wenn Träume wahr werden [und sich dann die Angst breit macht]

Eine neue Nacht ein neuer Post.

Ein paar Dinge sind wie sonst auch: Gleiche Spotify Playlist, selbes Notebook, selbe Matratze, ähnliche Stimmung, totale Müdigkeit, Schlaflosigkeit.  Was neu ist: Ich sitze nicht in meinem Zimmer bei meinen Eltern, bin auch nicht bei Freunden oder irgendwo. Ich bin zuhause, in meinem eigenen, neuen Zuhause – und es macht mir Angst.

Ewige Vorfreude

Seit Jahren habe ich mich darauf gefreut, endlich vollkommen frei zu sein, meine eignen Räume zu haben und mich entfalten zu können. Ewigkeiten habe ich nach der perfekten Wohnung gesucht und wurde belächelt für meine Ansprüche, einen Kompromiss wollte ich aber nicht eingehen, also dauerte die Suche eben ewig lang. Manchmal ist der Weg und die Vorfreude riesengroß und wird selbst zur Beschäftigung. Doch jetzt ist dieser Weg des Suchens vorbei, ich habe eine Wohnung und bin seit dem 1.10. Offiziell Mieterin von dieser.

Gefühlt ist es der Jackpot und war ein bisschen wie liebe auf den ersten Blick. Ruhige, schöne Gegend mit [verhältnisweiser] guter ÖPNV Anbindung, alle Läden in der Nähe. Ich habe eine Dusche, ich habe eine Wanne und dazu einen Balkon, in einer noch recht frisch renovierten Altbau Wohnung.

Wenn es ernst wird bekomme ich kalte Füße

Das trifft in vielen Lebenslagen auf mich zu: Dates, wichtige Termine, oder andere Themen welche mich direkt einbeziehen. Doch gerade hat das alles eine neue Dimension erreicht, doch einfach sausen lassen geht nicht mehr. Ich will und kann nicht davor weglaufen. Wieso? Weil dies ein Ziel ist welches ich mir gesteckt habe; leider erreiche ich die wenigsten meiner gesteckten Ziele so wie ich es mir vorstelle, meist weil ich mir selbst mehr zumute als ich vertragen kann.

Angst vorm alleine sein, vorm versagen

Diejenigen die mich besser kennen wissen dass ich oft einfach mal zuhause geblieben bin, alleine. Wieso also ist es nun zu einer meiner größten Ängste geworden? Ich weiß es nicht. Bisher war immer jemand ein Zimmer weiter, dort hätte ich mir Gesellschaft suchen können.

Das fällt jetzt weg und doch ist die “Entfernung” lächerlich gering (735m Luftlinie, um genau zu sein) ich bin also direkt um die Ecke und habe klipp&klar gesagt bekommen “Wenn Dir die Decke auf den Kopf fällt komm einfach rum.” Einige die ich kenne haben das nicht, Sie sind zuhause ausgezogen um z.b. zu studieren, mehrere Hundert Kilometer weit weg und ich heule hier regelrecht rum wegen ein paar Minuten Fußweg.

Ich weiß das es sich ändert

Nur kenne ich nicht das wann. Irgendwann werden wieder meine Bilder an den Wänden hängen, meine Lichterketten mit Instant Fotos dran  die Wände schmücken und irgendwo schaffe ich mir eine neue Ecke für meine ganzen Konzertkarten, Flugtickets&co. Ich hoffe dass ich mich ab dann auch zuhause Fühle, glücklich und nicht hin und her gerissen.

Allerdings wird die Zeit zwischen jetzt und dann unerträglich. Ich bin heute seit ca 19uhr wirklich alleine in meiner Wohnung, mit meinen Sachen [teilweise noch] in Kartons und dem totalen Chaos. Ich glücklich, es ist meins. Dennoch spielen meine Empfindungen gerade Daumenkampf und kommen nicht zur Ruhe.

25 Jahre

An meinem 25ten Geburtstag verbringe ich meine erste Nacht alleine hier. Andere sind viel eher ausgezogen, in meinem Alter schon verlobt, verheiratet – teilweise schon mit Kind(ern) unterwegs. Dabei stelle ich mir die Frage: Hab ich zu lange gebraucht den Absprung zu schaffen und deshalb nimmt es mich so mit? Vermutlich eine von meinen tausenden Fragen auf die ich nie eine Antwort bekommen werde.

Meine Eltern – größtes Glück und größten Ängste zugleich

Ich hatte bisher nie Probleme mit meinen Eltern wie viele andere und hoffe das wird sich auch nie ändern. In den letzten Wochen habe ich mal wieder wirklich gemerkt, was für ein Glück ich mit Ihnen habe. Ich habe Tagelang mit meinem viel Energie und Fleiß in de Wohnung gesteckt, Raufaser geklebt, gestrichen, alles sauber gemacht, die Küche aufgebaut [was ein Mist] und war dankbar so mit Arbeit zugeschüttet zu werden dass ich alles andere ignorieren konnte. Doch dann ging es in den Endspurt, vieles war bereits geschafft und ich habe es zum ersten mal realisiert: Bald sind sie nicht mal eben da, es wird sich vieles ändern; dies war der Punkt wo mir das alles zum ersten mal richtig bewusst wurde und ich einfach in Tränen ausgebrochen bin, vor meinem Vater.

Das schönste in dem Moment daran war: Es war für mich Okay, vor einem Jahr hätte ich mich vermutlich geschämt Gefühle in der Form zu zeigen. Was mir entgegen gebracht wurde waren aufbauende Worte, eine Umarmung und die Garantie dass Sie immer für mich da sind wenn ich sie brauche. Das wusste ich vorher bereits, aber mir wurde auch [mal wieder] bewusst, dass viele nicht solch ein Glück mit ihren Eltern haben. Das macht mich traurig, weil Ich finde dass Eltern immer für Ihre Kinder da sein sollten.

Es macht mich aber auch glücklich. Auch wenn ich gerade unter Tränen diese Zeile tippe, weiß ich das ändert sich bald alles, das einzige was sich nicht ändern wird ist die Liebe meiner Eltern zu mir&andersrum.

Dafür bin ich so unglaublich Dankbar.

Mama, Papa: solltet ihr das hier lesen: Ich liebe euch und bin stolz eure Tochter zu sein. ❤

Ein Kommentar

  1. Natascha Natascha

    Liebe Alex, bei dir ändert sich gerade sehr viel, die meisten in deinem Alter stecken jetzt noch irgendwo fest und haben keinen Plan wo sie hin wollen. Es ist vollkommen in Ordnung Ängste zu haben, sie zu äußern und sie sind auch wichtig, weil sie dich dazu bringen dich und deine Entscheidnungen zu hinterfragen und aber auch gleichzeitig zu festigen. Du bist du mit eigenem Kopf und Zielen, die verfolgst du und das ist gut so. Es ist schön das du dir auch Gedanken darum machst das es andere nicht so gut haben, dadurch kannst du das was du hast schätzen. Ich lese gerne deinen Blog und sehe mit Freuden deine Entwicklung, du bist ein toller Mensch und bist ganz und gar nicht alleine. Gib dir ein paar Wochen, dann ist auch die letzte Ecke in deiner Wohnung vollkommen von dir erfüllt.

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