… oder doch nicht?
Ich habe mir lange nicht viel aus meinem Namen gemacht wieso auch? Er war einfach Da – schon immer. Warum? Weil meine Eltern Ihn damals schön fanden, also lebte ich damit.
Doch was ist, wenn man diesen Namen nicht mehr anwenden kann, nicht mehr will? Man sollte sich drauf einstellen, dass es vielen schwer fällt, den einen mehr als den anderen.
Menschen sind Gewohnheitstiere
Das merkte ich schnell nach meinem Coming-Out bei den Leuten, mit denen ich viel mache – ganz besonders bei meinen Eltern.
Bin ich mit jemanden alleine unterwegs/mache generell nur was mit einer Person, ist das bei keinem ein Problem gewesen. Unabhängig ob man den Namen nutzt oder das “Sie/Ihr” kommt es richtig “aus dem Mund”. Sobald man nicht mehr zu zweit ist fällt es den meisten (gefühlt) plötzlich schwerer. Da rutscht dann auch mal “Er/Seins” raus.
Das ist ok – eine Zeit lang
Anfangs fand ich es nicht schlimm, es war halt für alle was neues, mich ab jetzt Alex zu nennen (obwohl diese Kurzform sogar vorher möglich gewesen wäre). Selbst ich hatte Probleme mich richtig vorzustellen – wenn ich nervös war.
Allerdings kommt man irgendwann an den Punkt, dass man sich fragt ob Person XY es nicht hin bekommen will oder es Ihr so schwer fällt. Direkt danach stellt sich die Frage: Ab wann korrigiert man? Es fällt mir immer noch schwer mich z.b. bei Firmenmails zu korrigieren, welche zu Externen Kunden gehen – teilweise weil ich gar nicht weißt wie ich das am geschicktesten machen soll.
Familie ist gefühlt das schwerste
Meine Schwester weiß seit Neujahr bescheid (wow so schnell sind 7 Monate rum) , meine Eltern seit ca einem halben Jahr. Für meine Schwester war das gefühlt kein Problem, seit ich mit ihr gesprochen habe war es wie ein Schalter der umgelegt wurde. Bei meinen Eltern ist es dagegen etwas schwerer/langsamer, aber so langsam merke ich selbst, dass Sie sich Mühe geben und es versuchen. Es fällt ihnen jedoch immer noch schwer – kein Wunder wenn sich nach 24 Jahren etwas eingeprägt hat. Ich weiß auch, dass ich super viel Glück mit der Situation habe, von Freunden und Bekannten habe ich schon ganz anderes mitbekommen und denke mir spätestens dann: Du hättest es echt schlechter treffen können.
All die anderen
Wie soll ich mit anderen, eher Bekanntschaften umgehen? Eine Frage die ich mir öfter Stelle. Nicht alle wissen Bescheid, meine ehemaligen Arbeitskollegen z.b. nur in Teilen (die, mit denen ich noch Kontakt habe/bei FB befreundet bin) – Sie werden es dann vermutlich bei Xing/Linked-In erfahren. Da ich dort aber kaum aktiv bin (und kein passendes Foto dafür hätte) hab ich es erstmal fast unberührt belassen.
Dass mich jemand heute auf der Straße erkennt, bezweifel ich stark. Im Vergleich zum letzten Jahr hat sich mein Auftreten doch ein wenig verändert. Vor einiger Zeit habe ich sogar einen ehemaligen Kollegen im Fitnessstudio gesehen, mit dem ich 1 Jahr lang in der Lehrwerkstatt stand. Ich hab direkt vor Ihm trainiert und wurde scheinbar nicht erkannt.
Neuer Name – neues Glück
Irgendwie passt das ein Stück weit. Ich bin immer noch glücklich wenn mich jemand ruft oder es auf Anhieb “klappt”, zeitgleich zucke ich leicht schreckerfüllt zusammen, wenn jemand meinen alten Namen ruft (Reflex? Gewohnheit?). Einfach weil ich in der ersten Sekunde nicht weiß ob es an mich gerichtet war.
Namen sind was schönes und komisches zu gleich. Sie können irritierend sein in vielerlei Form.
Freut mich, dass es bei dir läuft und du auf viel Akzeptanz gestoßen bist. Habe im Bekanntenkreis Leute, die sich seit Jahren nicht outen, weil sie wissen, dass ihr Familien sie dann verstoßen würden.
Ich hoffe darauf, dass es irgendwann für alle Betroffenen leichter wird und jeder seinen Mitmenschen genug Akzeptanz und Toleranz entgegenbringen kann, dass die “Andersartigkeit” zur Alltäglichkeit wird. Das würde wohl alle glücklicher und Sorgen freier machen und man hätte mehr Zeit, sich auf die richtigen/wichtigen Probleme der Menschheit zu konzentrieren, statt seine ganze Energie für so Nichtigkeiten wie Sexualität oder Äußerlichkeiten Anderer zu verschwenden.
Also, Daumen hoch, Respekt vor deinem Umgang mit der Situation, Daumen hoch an die tollen Leute, die dich umgeben und weiter so.